Statistiken zur Hochschulpolitik: Interpretation ist wieder alles

10. Dezember 2009

Ist SPIEGEL Online mit Blick auf die aktuelle HIS-Studie vor nicht mal einer Woche noch sicher, die Studiengebühren würden Abiturienten vom Studieren abhalten, sieht die Augsburger Allgemeine das vielleicht nicht vollkommen anders, zumindest aber positiver. Die Klage über Bologna-Reform und volle Hörsäle sei zwar laut und deutlich vernehmbar, wirklich abschrecken ließen sich Studenten davon allerdings nicht, heißt es in der Online-Ausgabe des Blatts. Die Zahlen, die dies belegen sollen, stammen aus dem Versuch des Statistischen Bundesamts, herauszufinden, ob die länderspezifischen Gebühren die Wahl des Studienorts beeinflussen. So spielen die nackten Gesamtzahlen, die im SPIEGEL für Aufregung sorgten, auch gar keine Rolle in der Augsburger Auswertung: 45 Prozent eines Jahrgangs hätten in diesem Jahr die Hochschulreife geschafft, drei Prozent mehr Studienanfänger als im Vorjahr würde man bundesweit verzeichnen. Das hört sich gut an, zumindest nicht wirklich schlecht. Die HIS-Zahlen gingen allerdings einen Schritt weiter: 31 Prozent aller hochschulreifen Schulabsolventen ziehen es demnach gar nicht erst in Betracht, ein Studium zu beginnen. Und von denen würden 77 Prozent das liebe Geld als wichtigen Grund für die Bildungsverweigerung angeben. Was wir daraus lernen? Nichts neues. Nur wieder die Sache mit den Statistiken, die wir nur glauben sollten, wenn wir sie selbst gefälscht haben. Oder zumindest interpretiert.

Kategorien: Allgemein

Hinterlassen Sie einen Kommentar